Forensische Biologie

Das Aufgabengebiet der Gruppe „Forensische Biologie“ umfasst im Wesentlichen die Erzeugung von Fallrealistischen Daten unter Laborbedingungen und deren computergestützte Auswertung. Dabei werden verschiedenste biologische Merkmale und/ oder Spuren bewertet und hinsichtlich ihrer Relevanz für forensische Fragestellungen beurteilt. Ziel ist es Ansätze zur Rekonstruktion eines Tathergangs bzw. zur Identifikation einer Person (Täter, Opfer) ausgehend von biologischen Spuren und/ oder Merkmalen aufzuzeigen.

Forschungsfelder

Schwerpunkte

Blutmusteranalyse

In der Kriminalbiologie haben Blutspuren eine besondere Bedeutung. Sie entstehen zwangsläufig bei Gewalteinwirkungen auf den menschlichen Körper z.B. bei Schlägen oder Schüssen. Die gezielte Auswertung der inneren und äußeren Erscheinung der Flecken lässt eine Rekonstruktion der Tat zu und liefert damit wichtige Informationen, um mögliche Täter zu überführen. Die forensische Analyse von Blutspuren umfasst u.a. die Kategorisierung von Blutsmustern, die Schätzung des Entstehungsalters einzelner Blutflecke und die Sichtbarmachung latenter Spuren. Alle diese Teilbereiche werden an der HSMW in z.T. praktischen Versuchen gelehrt; im Bereich der Blutaltersschätzung werden zudem im Rahmen einer Promotion neue wissenschaftliche Erkenntnisse generiert, welche den Lehrinhalt stets aktuell halten.

blutmusteranalyse
Abbildung: Workflow zur Blutmusteranalyse – vom Real in den Digital-Raum

Daktyloskopie

Im Forschungsfeld der Daktyloskopie konzentrieren WIR uns auf die statistische und die chemische Daktyloskopie. Ziel ist es dabei Merkmale einer Fingerspur zu identifizieren, die zu einer Personenbeschreibung beitragen können. Als Merkmale eignen sich dabei einerseits morphologische Besonderheiten, wie die Papillarleistendichte zur Geschlechtsdifferenzierung, als auch die chemische Zusammensetzung der Fingerspur. Letztere kann mittels der Zusammensetzung des Schweißes, Hinweise zu einer Person liefern oder Einblicke in den Tathergang, durch Rückstände wie Drogen und andere Stoffe, erlauben. In zwei Forschungsprojekten werden diese Ansätze verfolgt.

Papillarleistendichte
Abbildung: Schematische Darstellung der Schätzung von nicht abgebildeten Papillarlinien zur Bestimmung der Papillarleistendichte

Bioinformatik

Die Bioinformatik hat sich im Lauf der letzten Jahre zu einem wesentlichen Pfeiler in der Erforschung molekularbiologischer Prinzipien und in der Entwicklung neuartiger Biotechnologien hervorgetan. Die bioinformatische Forschung und Lehre an der HS Mittweida fokussiert sich auf Methoden zur Proteinsequenz- und Proteinstrukturanalyse. Proteine sind DNA-kodierte Makromoleküle, die eine Vielfalt von Funktionen in allen Prozessen des Lebens realisieren. Zu verstehen, wie Proteine ihre Funktion im molekularen Wechselwirkungsmechanismus einnehmen, gehört zu den größten Zielen der modernen Molekularbiologie. In der Lehre bzw. Forschung werden bioinformatische Algorithmen zur Analyse dieser Zusammenhänge vermittelt bzw. entwickelt.

Forensische Anthropologie

Die forensische Anthropologie ist eine multidisziplinäre Wissenschaft, die physikalische, biologische und chemische Methoden nutzt. Sie gliedert sich in die Analyseschwerpunkte Skelettmaterial und den menschlichen Bewegungsapparat auf. Die forensische Analyse von Skelettmaterial wird auch als forensische Osteologie bezeichnet und beschäftigt sich mit der Erstellung eines biologischen Profils anhand von Knochen. Das biologische Profil umfasst die Herkunft, das Geschlecht, das Alter, die Körperhöhe und anatomische Besonderheiten. Die Analyse des Bewegungsapparates ist ein Schnittpunkt mit der Arbeitsgruppe Digitalisierung der Forensischen Fallarbeit und fließt dort in die Forschungspunkte 3D Tatortsimulation und Bild- und Videoanalyse ein.

modellschädel
Abbildung: Modellschädel mit Messschieber, Maßstab und Grabungsnadel

Mykologie/ Entomologie

Die forensische Entomologie beschäftigt sich mit der Auswertung von aufgetretenen Insekten im gerichtlichen Kontext. Dabei können die Art und Gattung der Insekten bestimmt werden. Diese geben beispielsweise Aufschluss über das sogenannten Post-Mortem-Interval (PMI) eines Individuums. Außerdem können Fliegenlarven auch bei Fällen von Vernachlässigung eine Rolle spielen. Ein weiterer Ansatz zur Herleitung von Tathergängen, welche die Ablage eines Körpers umfassen, bildet die Analyse forensisch relevanter Schimmelpilze.

Larven
Abbildung: Relevante Strukturen zur Artbestimmung der Fliegenlarven unter dem Mikroskop

DNA-Analyse

Die Forschungsgruppe bearbeitet nach wie vor Thematiken zum Thema DNA-Analyse. Wobei hier der Schwerpunkt auf die DNA-Phänotypisierung in Hinblick auf eine computergestützte Auswertung gelegt wird.